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Tierärztliche Praxis für Kleintiere

Dr. med. vet. Annerose Hönicke

Tierärztliche Praxis für Großtiere

Dr. med. vet. Eberhard Hönicke

Physiologie und Geschichte

Es ist eines der bliebtesten Begleittiere des Menschen überhaupt. Dabei sind die wildlebenden Verwandten unserer kleinen Freunde sehr divers. Es gibt vier verschiedene Gattungen: Wiesel-, Berg-, Zwerg- und Echte Meerschweinchen. Sie leben in ihrer Heimat Südamerika. Aus Letzterer (Cavia) ist vor langer Zeit unser heutiges Hausmeerschweinchen hervorgegangen. In freier Wildbahn besiedeln die Tiere die unterschiedlichsten Lebensräume. Gras- und Steppenland, aber auch Sümpfe, Wälder und Hochgebirgslagen auf 5.000 m gefallen ihnen. Einzig im tropischen Regenwald sind sie nicht zu finden. Ihr Körperbau hat sich an die Umgebung angepasst, und so gibt es Meerschweinchenarten mit Schwimmhäuten ebenso wie Kletterkünstler und Höhlenbewohner. Die Art Cavia aperea, ein mutmaßlicher Vorfahre des domestizierten Meerschweinchens, lebt vor allem in üppigen Grasländern mit dichter Vegetation und geht in der Dämmerung auf Nahrungssuche.                                                                            Meerschweinchen sind soziale Tiere mit einem breiten Verhaltensspektrum, das sich abhängig vom Lebensraum zwischen den einzelnen Arten unterscheidet. Sie nicht alleine zu halten ist für unsere kleinen Freunde in der Heimtierhaltung richtig, doch bei den Wildmeerschweinchen wird auch die Privatsphäre groß geschrieben. Cavia aperea lebt in kleinen Gruppen, aber jedes Tier hat seinen eigenen Bereich, die sogenannte “Home Range”. Diese überlappt zwar mit der von Artgenossen, bei Weibchen etwa um 40%, doch sie beachten einander nur wenig. Der Bereich eines Männchens ist größer und umspannt ein bis drei weibliche Home Ranges, also das Haremgebiet des Tieres. Erstaunlich ist, dass männliche Wildmeerschweinchen keine Duftmarken an der Reviergrenze setzen. Andere Männchen, die das Revier betreten, sind ihnen sogar egal. Erst wenn der Konkurrent Annäherungsversuche bei den “Damen” startet, wird er in seine Schranken verwiesen.

Die ersten Meerschweinchen wurden vermutlich schon 5000 v. Chr. von den frühen amerindiansichen Völkern der Anden domestiziert. Zum einen lieferten sie Fleisch, zum anderen dienten sie aber auch als Opfertiere für die Götter bei religiösen Zeremonien. Vorrangig sind die Tiere allerdings immer noch Nahrungsquelle, ähnlich wie bei uns Rinder oder Schweine. Spanische Eroberer und holländische Seefahrer brachten das Meerschweinchen über den großen Teich, vermutlich als Ausstellungsstücke oder Geschenke für reiche Kinder. Im Laufe der Jahrhunderte hielten die putzigen Nager in immer mehr Haushalte Einzug, als Freund und Spielgefährte, geliebt und verhätschelt. Doch gelichzeitig gelangten sie auch in Forschungslabore, wurden zu einem der ersten “Tiermodelle” und werden dort bis heute in großer Zahl “verbraucht”. Sogar ins All reiste ein Meerschweinchen, als Passagier einer russischen Rakete. So werden die kleinen Fellnasen von den Menschen geliebt, aber auch ausgenutzt - eine eigenartige Ambivalenz, die nachdenklich stimmt.

Wie das “Schweinchen” zum “Meer” kam

Der deutsche Name unserer kleinen Freunde lässt sich recht einfach erklären. Das “Meer” meint natürlich den Seeweg, auf dem die putzigen Tiere zu uns kamen, und da ihr Quieken so manchen an die Laute eines Schweins erinnerte, war die passende Bezeichnung bald geboren. In anderen Sprachen wird es komplizierter und welche Version letzten Endes stimmt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit wohl nie gelärt werden können.

Doch nicht nur Sprachwissenschaftler finden das Meerschweinchen interessant, auch die Kollegen in der Zoologie sind schwer beschäftigt, z. B. mit der Frage, ob es überhaupt zu den Nagetieren gehört. Doch trotz diverser Erbgutanalysen kommt es immer wieder zu Diskrepanzen, die noch keine konkrete Klarheit verschaffen kann. Auch streiten sich Forscher immer noch darüber, ob Cavia aperea nun der Urahn des Hausmeerschweinchens ist oder nicht.

Das Meerschweinchen ist klein, aber ein echter Kosmopolit mit Geschichte und steckt voller Überraschungen. Doch ob kluge Köpfe es nun zu den Nagetieren (Rodentia) oder in eine eigene Ordnung stecken wollen, ob es mit den Holländern, Spaniern oder wem auch immer nach Europa kam - das Meerschweinchen hat sich schon lange in unsere Herzen geschlichen. Und das ist doch eigentlich die Hauptsache.

 

Alter: 10 - 12 Jahre
Körpertemperatur: 38,5 - 39,5 °C
Geschlechtsreife (männl. u. weibl.): 4 - 5 Monate
Trächtigkeitsdauer: durchschnittlich 30 Tage (28 - 36)
Geburtsgewicht: 0,8 - 1,2 % des Körpergewichts der Mutter
Dauer der Säugeperiode: 4 - 8 Wochen
Anzahl der Futtermengen (Jungtiere): 3 Mahlzeiten
Beginn der Beifütterung: 3. Lebenswoche
tägl. Gewichtszunahme bei Jungtieren: 15 - 20 g
Raumtemperatur: 18 °C (ab 25 °C kritisch)
Wasserbedarf: 0,25 l Wasser bei ca. 2 kg Körpergewicht
Einstreu: Heu, Sägespäne, geschreddertes Altpapier

 


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